Ehemalige Ausstellungen, Tagesfahrten und Kunstreisen

11. August 2016 19:00 - 20:00

Städtisches Museum - Galerie im Centrum

Abend-Führung durch die Ausstellung "Fahrradmod"

Der Künstler Tobi Dahmen

wird uns durch die Comic-Ausstellung "Fahrradmod" im Städtischen Museum - Galerie im Centrum - führen. Die Ausstellung zeigt Originalseiten, Illustrationen und Skizzen für die auto-biografische Grafic Novel, über eine Jungen in Wesel und die örtlichen Subkulturen der achtziger und neunziger Jahre. Eine Geschichte über das Leben am Niederrhein, über Freundschaft und den eigenen Platz. Im Anschluss an die Führung treffen wir uns in einem Lokal am Kornmarkt.

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08. Mai - 26. Juni 2016

Städtischen Museum Kalkar

Esther Naused "Lichtschatten"

Die Werke der in Hamburg lebenden Künstlerin werden vom 08. Mai bis zum 26. Juni 2016 im Städtischen Museum Kalkar in Kooperation mit dem Niederrheinischen Kunstverein gezeigt.

Esther Naused konzentriert sich in ihren Arbeiten ganz auf das Medium der Tuschemalerei. In meist kleinformatigen Bildschöpfungen erkundet sie die mannigfachen Möglichkeiten von Hell-Dunkel-Kontrasten, von Schattierungen, Überlagerungen, Durchdringungen und Verläufen.

Sie kombiniert und erweitert die reine, traditionsreiche Kunst der Tuschemalerei mit wässrig aufgelösten Acrylfarben und belebt nuancenreiche Schwarz-Weiß-Kontraste mit farbigen Elementen.

Esther Nauseds Arbeiten auf Papier haben als Grundthema den Raum, die Bildtiefe. Es entstehen keine konkreten Räume, die Arbeiten bleiben ungegenständlich..

Es entstehen Durchblicke, Spiegelungen, Horizonte, fließende Oberflächen oder feste Strukturen. Mal sind es dynamische Formationen, mal stille, fast sanfte Kompositionen. Immer spielt das Licht eine entscheidende Rolle.

Man wird durch atmosphärische Bildtiefen zwischen Licht und Schatten in Räume hingezogen, sucht, wie es weiter gehen könnte. Im Ausblick durch einen schmalen Spalt gerät man mal in dämmriges Schimmern von Zwielicht, mal in scheinbar helle Fernen, ein weites Feld öffnet sich wie eine Landschaft und zieht den Betrachter ins Unendliche. Dann wieder meint man fotografisch-reale, z.B. architektonische Strukturen zu erkennen, kann diese aber nicht wirklich greifen. So entfaltet sich ein Reichtum von Assoziationen.

Sa, 16. Juli 2016

Von der Heydt Museum - Wuppertal

Tony Cragg "Parts of the World"

Bei der Retrospektive werden Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken des weltbekannten Künstlers gezeigt.

Die Abbildung zeigt eine Skulptur von Tony Cragg im "Skulpturenpark Waldfrieden" in Wuppertal.

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Foto: Jörg Happel

03. April bis 14. Mai 2016

Städtisches Museum - Galerie im Centrum

Jürgen Paatz - unter der Hand

Der Klever Künstler Jürgen Paatz hat sich seit den 1970er Jahren deutschlandund europaweit einen Namen als Vertreter der konkreten Malerei gemacht. Das Hauptmerkmal seiner Kunst ist die Farbe, deren visuelle und haptische Qualitäten ihn gleichermaßen beschäftigen. In der Ausstellung zeigt Jürgen Paatz mehr als 30 Werke unterschiedlichen Formats.

Denn die Kunst des Jürgen Paatz ist eine sinnliche Kunst; sie will mit den Händen und den Fingerspitzen betrachtet werden. Helga Meister, Düsseldorfer Hefte, 1976

Malerei ist hautnah, direkt und (be)greifbar. Paatz, Katalog „Bilder ohne Bilder“, Rhein. Landesmuseum Bonn, 1977

...ganz aus der Materialität der Farbe selbst . Die farbbeschichteten Stoffbahnen, die als freihängende Tücher installiert werden, verweisen auf Farbstruktur und Masse. Farbe wird als Substanz verdeutlicht. R. G .Dienst, Das Kunstwerk 6/1 978

Denn Jürgen Paatz gehört zu den Künstlern, für die das Bild nicht mit Abbild identisch ist; er macht vielmehr Objekte, die sich auf kein Sujet beziehen, sondern selbst als Gegenstände neben beliebigen anderen autonome Existenz beanspruchen ... J.H. Müller, Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen, 1984

Der Eindruck des erdig Naturhaften mag mit diesem ganzheitlichen, nicht aus Schichten und Lagen aufbauenden Malen zusammenhängen. Reinhard Ermen, Malerei pur, Kiel, 1991

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Foto: Jörg Happel

10.01.2016 - 06.03.2016

Städtischen Museum Kalkar

„AUSSCHAU“ von Marina Herrmann

Auf Reisen in die Megacities der Welt, nach Tokio, Dubai, New York, sammelt sie fotografisches Material, das zum Ausgang wird für weiteres Arbeiten. Im Atelier werden die Aufnahmen digital verfremdet, wird malerisch eingegriffen, verdichtet. Es entstehen multimediale Analysen eines Stadtraums, eines Blldraums. Fotografie und Malerei werden in einen dialogischen Kontext gesetzt. Geprägt von einem Hintergrund in der Soziologie, die den sozialen Raum erforscht, analysiert Herrmann den architektonischen, den gebauten Lebensraum mit künstlerischen Mitteln. Die Architekturform als kultureller Träger, um diese Beobachtung kreist Marina Herrmanns Schaffen seit vielen Jahren.

Im Städtischen Museum Kalkar zeigt die in Köln lebende Künstlerin weitere Serien aus ihrem künstlerischen Schaffen: die "Seestücke" und die "Flowers".

www.marina-herrmann.de

Fotos: Jörg Happel

01. November 2015

Städtisches Museum - Galerie im Centrum

Hoch Kreitner

Fotos: Jörg Happel

23. August - 04. Oktober 2015

Städtisches Museum - Galerie im Centum

Tine Benz "inner garden"

Eröffnung: 23. August 2015, 11:30 Uhr

Begrüßung: Ulrike Westkamp, Bürgermeisterin der Stadt Wesel
Einführung: Jörg Happel, Geschäftsführer und Kurator des Niederrheinischen Kunstvereins

In ihren offensichtlich fiktiven Stadtansichten gelingt es Tine Benz Bildebenen miteinander zu verzahnen, deren Motive als widerstreitende Kontrahenten erscheinen: Der Wettkampf von Stadt vs. Natur, die, je nach Perspektive der Betrachtung, wechselseitig in den Vordergrund treten. Mal scheint die Stadt die Natur zu verdrängen, mal ist es die Natur, die sich machtvoll das Verlorene zurückerobert. Dabei kombiniert die Künstlerin nach dem Prinzip der Collage Motive aus unterschiedlichen Quellen so miteinander, dass sie äußerst schlüssige Bildkompositionen ergeben, aber durchaus keine stringenten Bildräume.

Dies gilt auch für die rahmenden Landschaftselemente, die im Unterschied zur fernen Stadt die uns naheliegende Sphäre bilden, in der sich zuweilen Figuren aufhalten, um von ihrem erhöhten Standpunkt aus auf die Stadt zu blicken. Gegenüberder anonymen Stadt ist hier die Landschaft tatsächlich der soziale Raum, in dem sich Menschen treffen. Dem übrigen Bild additiv hinzugefügt, wirken die Silhouetten für sich genommen flächig und wie ausgeschnitten. Ohne logische räumliche Verbindung zu der im Hintergrund liegenden Stadt, ergibt sich dennoch die Illusion der räumlichen Tiefe. Doch stört Tine Benz das räumliche Kontinuum, indem sie landschaftliche und städtische Elemente oftmals aus unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln zeigt.

(Nach: Susanne Buckesfeld, Stellv. Leiterin KunstmuseumAhlen)

Begleitend zur Ausstellung sind folgende Veranstaltungen geplant:

Abendveranstaltung: „Dialog von Natur und Stadt“.
Ort: Städtischen Museum - Galerie im Centrum
Zeit: Donnerstag den 10. September 18:00 -19:00 Uhr
Herr J. Happel führt durch die Ausstellung. Den Abend lassen wir in einem Lokal am Kornmarkt ausklingen.

Samstag, den 19. September während der Weseler Kulturnacht bietet Herr J. Happel drei Führungen in der Ausstellung „inner garden“ an.

15:00 - 16:00 Uhr für Kinder im Alter von 6 - 10 Jahren
16:00 - 17:00 Uhr für Kinder und Jugendliche im Alter von 11 - 16 Jahren

Die im Verborgenen liegenden, heimlichen Orte, deren stille Anziehungskraft Tine Benz magisch spürbar macht, wollen wir uns gemeinsam ansehen und uns spielerisch erarbeiten.

19:00 - 20:00 Uhr Führung für Erwachsene.

Eine Finissage - von der Künstlerin gestaltet - findet am Sonntag den 04. Oktober 15:00 Uhr statt.

Fotos: Jörg Happel

Juni 2015

LWL-Museum - Museum für Kunst und Kultur in Münster

Otto Piene. Licht

Otto Piene (1928-2014), Mitbegründer der Künstlergruppe ZERO, gilt als einer der großen Pioniere der internationalen Lichtkunst. Die Ausstellung setzt den Fokus auf die Bedeutung des Lichtes in seinem Werk, angefangen von frühen Lichtarbeiten der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts bis hin zu aktuellen Kunstwerken, die erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt werden. (Text aus www.lwl.org)

Foto: de.wikipedia.org

Mai 2015

Bundeskunsthalle in Bonn

Der Göttliche. Hommage an Michelangelo Raffael · Caravaggio · Rubens · Rodin · Cézanne · Struth

Die Ausstellung erzählt von der immensen Wirkung Michelangelo Buonarrotis (1475–1564) auf die europäische Kunst seit der Renaissance bis heute. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten bedeutender Künstler aus fünf Jahrhunderten, die in einen schöpferischen Dialog mit den malerischen und bildhauerischen Werken, den künstlerischen Prinzipien des Florentiners getreten sind. (Text aus www.bundeskunsthalle.de)

Foto: de.wikipedia.org

März 2015

Ludwig-Museum, Köln

Ausstellung "Alibis: Sigmar Polke. Retrospektive"

Fahrt nach Köln ins Ludwig-Museum zur Ausstellung "Alibis: Sigmar Polke. Retrospektive". Es ist die erste posthume Retrospektive mit rund 250 Werken des 2010 in Köln verstorbenen Künstlers (Zugfahrt).

Februar 2015

K20, Düsseldorf

Ausstellung "Uecker"

Fahrt nach Düsseldorf ins K20 zur Ausstellung "Uecker". Das K20 zeigt das Werk Günther Ueckers aus zeitgenössischer Perspektive. Die Bandbreite reicht von Werken mit politischer Aussage bis hin zu meditativen Schöpfungen. Wir werden mit dem Zug nach Düsseldorf fahren.

2014

Haus Eich

Jour fixe - EAT ART

Fotos: Jörg Happel

So, 18.07.2010

Autobahn A40

Still-Leben Ruhrschnellweg - eine 60 Kilometer lange Tafel der Kulturen

Am Sonntag, 18. Juli 2010, feiern Bürger und Besucher der Metropole Ruhr ein einmaliges Fest der Alltagskulturen; und das mitten auf der Hauptverkehrsader der Region, der A40/B1. Für die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 entsteht auf einer Strecke von fast 60 Kilometern aus 20.000 Tischen eine Begegnungsstätte der Kulturen, Generationen und Nationen - die längste Tafel der Welt.

Von 11 Uhr bis 17 Uhr wird die gesamte Strecke an diesem Tag in beide Richtungen gesperrt und für Besucher freigegeben. In Fahrtrichtung Duisburg wird die längste Tafel der Welt zur Bühne kultureller Vielfalt der Metropole Ruhr. Auf der Fahrbahn von den Ausfahrten Dortmund, Märkische Straße bis Duisburg-Häfen wird der rund 60 Kilometer lange Tisch aufgebaut. Auf der Gegenrichtung von Duisburg nach Dortmund können alle Interessierten die einmalige Chance nutzen, mit allem was Räder, aber keinen Motor hat, die Autobahn zu befahren.

Die Gruppen, die sich an den Tischen niederlassen, waren aufgefordert, die etwa 60 Kilometer lange Tafel der Kulturen mit eigenen Programmbeiträgen mitzugestalten: Ob Kunst, Gesang, Tanz, Musik, Kabarett, Theater, Lesungen oder auch einfach nur typisches Essen - alle Facetten der Alltagskultur sind an den Tischen zu finden.

Der Niederrheinische Kunstverein hat für seine Mitglieder drei Tische reserviert, gestaltet die Tafel der Kulturen mit und wird so ein Teil der Kulturhauptstadt 2010.

Wir werden den „grünen Niederrhein“ an die Tafel der Kulturen bringen!

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Fotos: Jörg Happel

28.5. - 4.7.2010

Ladenlokal Doelenstraße 4 / City Wesel

Eva Olthof - REPEATING THE ARCHIVE

Kuratorenausstellung SMA:X in Kooperation mit Schloss Ringenberg und der Schill-Kaserne Wesel

Die multimedialen Arbeiten der niederländischen Künstlerin Eva Olthof (*1983) bewegen sich im Spannungsfeld von Geschichte und (individueller) Erinnerung, ausgehend von vorgefundenen Bilden, als Anlass ihrer Spurensuche und Material künstlerischer Auseinandersetzung.

Repeating the archive betitelt eine Installation, die ihren Ausgangspunkt im "Traditionsraum" der Schill-Kaserne Wesel nimmt. Der nicht öffentliche Raum auf dem NATO Militärstützpunkt wird von den Veteranen des Raketenartilleriebataillons 150 betrieben und beherbergt neben Clubmobiliar ein liebevoll zusammengetragenes, nahezu heimatmuseales Archiv.

Zwischen 1965 und 1989 war das Bataillon verantwortlich für nuklear bestückte Raketen auf mobilen Abschussvorrichtungen, stationiert von den US Amerikanern in Wesel. Während die Amerikaner die Hoheit über Lagerung und Einsatzbefehl hatten, war das Bataillon für Wartung und Verbringung der Raketen zum Einsatzort sowie für den dort erfolgenden Abschuss zuständig. Rückblickend bestand die Hauptaufgabe des Bataillons in der Bereitschaft und Simulation des Verteidigungsfalls, als Reaktion auf einen nuklearen Angriff aus dem Osten – ein permanent real-hypothetisches Szenario während der Periode des 'Kalten Krieges'. Dieser Zeit gedenken die Veteranen im Traditionsraum mittels Dokumenten und Objekten aus über 20 Jahren, in denen sie mit verantwortlich waren für den freiheitlichen Schutz des Westens.

Ein Archiv stellt beides bereit: Geschichte und Kontext. Zugleich bietet es der Erinnerung Raum. Mehr noch ist der "Traditionsraum" des 150. Bataillons auch eine Art Schatzkammer, zur feierlichen Verwahrung der Artefakte einer vergangenen 'Solidargemeinschaft', die ohne dezidierte Wertungen oder erkennbare Hierarchisierungen konserviert werden. So stehen etwa Fotografien von Manövern neben Sportpokalen und Modelllandschaften mit Miniaturschauplätzen erhalten die gleiche Aufmerksamkeit wie vergilbte Zeitungsberichte.

Die Vereinheitlichung der Fülle dokumentarischer und anekdotischer Details lässt den "Traditionsraum" als ein geschlossenes Monument aufscheinen, in dem sich lokale wie persönliche Erzählungen der Erinnerung an die Zeit des "Kalten Krieges" manifestieren. Er bietet ein gleichsam intimes Bild, generiert aus dem individuellen Zugriff auf ein integrales Geschichtsphänomen internationaler Tragweite, das Eva Olthof in Repeating the archive aus der relativen Abgeschlossenheit der Kaserne in ein leerstehendes Ladenlokal an der Weseler Fußgängerzone verbringt und damit an die alltägliche Gegenwart der Stadt Wesel zurück bindet - nicht ohne die Aktualität einer solchen Geschichts-Konserve formal wie inhaltlich zur Diskussion zu stellen.

Fotos: Jörg Happel

19. März 2006

Städtisches Museum - Galerie im Centrum

25 Jahre NKV - Finisage

Fotos: Jörg Happel

2004

Kunst und Kirche

Auch die Ausstellungen des Niederrheinischen Kunstvereins in Kirchen geschahen nicht nur aus der Verlegenheit, immer noch keine eigenen Ausstellungsräume zu besitzen, sondern geschah auch aus dem Grund, weil sich hier der Dialog zwischen moderner Kunst und einem nicht durch den Besuch von regelmäßigen Museumsausstellungen vorbelasteten Publikum ereignen kann, also eine sehr ähnliche Situation wie es der Kunst im öffentlichen Raum oft ergeht. Aber es kommt eine weitere Überlegung hinzu. Nach unserer Überzeugung eignet jeder künstlerischen Äußerung eine religiöse Dimension – auch in der Ablehnung und Verneinung. Oft wird diese erst in dem ungewohnten Ausstellungsraum sichtbar. Es wurde bei den Ausstellungen Wert darauf gelegt, dass die Ausstellungen mit in das Gemeindeleben oder in bestimmte Aktionen wie die Kulturnacht in Wesel integriert wurden, also in keiner Weise nur Dekoration darstellten.

Umgekehrt wurde auch deutlich, dass z.B. eine religiöse Gestalt wie der Prophet Elia in der Kultur- und Geistesgeschichte des Abendlandes durchaus auch seine allgemeine Bedeutung hat – das Prophetische will Anstoß geben, zum Nachdenken anregen und traditionelles Verhalten in Frage stellen und hinterfragen.

Das erlebten wir in den Bildern des Flensburger Künstlers Uwe Appold, dessen Elia-Zyklus wir in der Christuskirche in Dinslaken ausstellten und mit einem Katalog begleiteten und einer Edition ergänzten. In Wesel bot zunächst die Weseler Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in ihrer Krypta drei Kunstwerken, die wir dem Symposion „Unter der Erde“ verdanken, ein Zuhause. Hier war einmal die kosmische Weite, die paradoxerweise ein Gang in die Tiefe der unterirdischen Gemäuer zur Holzskulptur von Klaus Simon eröffnete. Und dann vor allem der gekreuzigte Vogel von Johannes Brus. Er bezog die Tierwelt mit in die Erlösung durch das Kreuz Christi ein – der Künstler nimmt hier prophetisch eine Diskussion vorweg, die erst viel später in der allgemeinen Öffentlichkeit geführt wurde.

Einen besonders wichtigen Akzent setzte dann Ben Willikens mit seinem „Weseler Altar“, der an mittelalterliche Kunstformen anknüpft, aber dann doch die religiöse Dimension allgemein menschlicher Grunderfahrungen sichtbar macht: Die Bahre, die Krankheit und Tod assoziieren lässt, Bausteine und herunterhängende Elektroleitungen, die an eine Baustelle erinnern und den Durchgangscharakter eines jeden Augenblicks erkennen macht und schließlich das Licht, das Klarheit und Durchblick schafft und Kraft gibt, den lebensfeindlichen Kräften zu widerstehen.

Katharina Veldhues und Gottfried Schumacher haben sich dann 2003 auf der Außenhaut des Willibrordi-Domes angenommen und das Motiv des Weges, also der Pilgerschaft aufgenommen und damit ebenso die Notwendigkeit aufgezeigt, um eines großen Zieles willen einen dornenreichen steinigen Weg auf sich zu nehmen – um zur Oase zu kommen: nach Palmyra. Eine symbolträchtige Diaprojektion während der Weseler Kulturnacht. Wieder im Dom waren dann ein halbes Jahr (2004) später Franz Gutmann’s „Mann + Frau + Menora“ zu sehen – hier wurde die Erschaffung von Mann und Frau von der jüdischen Liturgie her beleuchtet – der Künstler bringt also die Gotteserfahrung und den Herrschaftsauftrag an den Menschen zusammen. Von der Gottesebenbildlichkeit der Menschen her ist dieser Auftrag „Machet euch die Erde untertan“ zu verstehen und mit anderen Worten, so wie sich Gott diesem Volk gegenüber gezeigt hat als einer, der das gering geachtete Völkchen am Rande der Weltgeschichte zu seinem Volk macht ebenso sollte die „Herrschaft“ über die Erde gestaltet werden: als Parteinahme für die Schwachen, Bedrohten. Welch ein aktuelles Plädoyer für das Eintreten für in ihrem Fortbestand gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Es war für den Kunstverein eine sehr positive Erfahrung, dass sich viele Menschen nach den Gottesdiensten, die immer wieder Bezug auf diese Botschaft nahmen, ansprechen ließen. Dieses Projekt geschah im übrigen in Verbindung mit den Katholischen und Evangelischen Kirchengemeinden und dem Christlich-Jüdischen Freundeskreis. Ein Jahr später, im Jahr 2005, war dann die Israelin Zipora Rafaelov im Weseler Dom zu Gast mit ihrer Skulptur „Licht vom Osten“. Ein weißer, ca. 2,50 m hoher Quader in Weiß, in dem an unzählig vielen Fäden Symbole aus unserem Alltag hängen: ein Schuh, eine Schere, ein Weinglas, ein Spielzeugauto, eine Pfeife, das erinnert daran, dass sich im Spätmittelalter auch das Leben der Stadt vor und in der Kirche abspielte. so wird der Alltag wieder in den Kirchenraum zurückgeholt und vom Licht beschienen. Die einfallende Sonne ist dabei Symbol für die geistliche Erleuchtung durch das Wort. Eben das verbindet Judentum und Christentum. Und die Synagoge ist wie die Kirche nach Osten ausgerichtet, in Richtung auf die Auferstehung, die Verwandlung, das neue Leben. So entdeckten wir viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Religionen durch die Kunst. Kleinere Objekte von Zipora Rafaelov waren gleichzeitig im Kulturzentrum in Boxmeer (NL) zu sehen. So war dieses Projekt nicht nur interreligiös, sondern auch international.

Text aus: Niederrheinischer Kunstverein 1981-2006

1998

Das Projekt Rheingold - Skulpturen im öffentlichen Raum am Niederrhein

Sechs Künstler gestalteten eine Skulptur für einen bestimmten Ort:
Rheingold oder Macht Geld Sinn?

Eigentlich keine Frage, Geld macht natür­lich Sinn. Teilt man den Slogan in seine einzelnen Begriffe auf, macht auch das Frage­zeichen wieder ganz entschieden Sinn. Der Kulturraum Niederrhein e.V. stellt sein dies­jähriges Kulturfestival im Herbst unter dieses Motto, um die kritischen Geister des Kultur­betriebes zu einer geistigen Auseinander­setzung zu bringen, um so eine lebendige Debatte zu ewig aktuellen Themen zu entzün­den. Im Rahmen dieses Festivals, das als „Niederrheinischer Herbst" schon zu einem festen Begriff geworden ist, ist nun auch zum ersten Mal dieses kleine Skulpturenprojekt im öffentlichen Raum verwirklicht worden. Unter der Regie des Niederrheinischen Kunstvereins in Wesel sind die hier vorgestellten Werke von sechs zeitgenössischen Künstlern an ihren jeweiligen Standorten zusammengekommen, um dem urdeutschen Mythos vom Rheingold zu begegnen und ihn zu hinterfragen.

Dabei sind die Schauplätze mit Bedacht ausgewählt worden, weil sie einerseits als bemerkenswerte Kulturleistungen der Vergangenheit gelten und schon ohne die Verbindung zur zeitgenössischen Kunst eine Attraktion darstellen. Andererseits ist es gerade dieses Gegenüber von Tradition und Gegenwart, von gesichertem Kulturgut und experimenteller Moderne, das reizvolle, über­raschende und vielleicht auch neue Aspekte in unserem Verhältnis und Verständnis zur Kultur offenbart.

Mit dieser ersten kleinen konzertierten Aktion für Gegenwartskunst im öffentlichen Raum am Niederrhein soll natürlich auch auf die reichhaltigen Kontexte verwiesen sein, in die gerade auch die zeitgenössische Kunst in dieser Kulturlandschaft gebettet ist. Nur zu wenig scheint im Bewußtsein verankert, daß die Krefelder Kunstmuseen langfristig an einem dezidiert progressivem Konzept für Kunst im öffentlichen Raum (mit Richard Deacon, Claes Oldenburg, Katharina Fritsch, Franz West) arbeiten, in Duisburg eine Brun­nenmeile von Gegenwartskünstlern (Nikki deSaint Phalle, Thomas Virnich) realisiert wurde, in Knechtsteden eine wichtige Skulptur von Ulrich Rückriem installiert ist und Mönchen­gladbach ein bedeutendes Werk von Heinz Mack öffentlich zugänglich ist. Diese künstle­rische Präsenz ist Referenz und zugleich Herausforderung für die Zukunft, denn Ziel soll es sein, mit diesem ersten Schritt für eine Auseinandersetzung mit der Kunst der Gegen­wart weitere folgen zu lassen.

Dieses Pilotprojekt soll dazu beitragen, die Kulturlandschaft des Niederrheins ins Bewußtsein zu bringen und neugierig auf die vorhandenen und noch kommenden kultu­rellen Attraktionen zu machen. Es bildet den Auftakt für eine im Jahre 2002 im Rahmen der Euregio geplante Ausstellung mit Skulp­turen im öffentlichen Raum, die dann mit einem umfassenderen Programm aufwarten wird und auch in Kooperation mit den Nieder­landen verwirklicht werden soll.

Die Werke waren bis zum 15. November '98 installiert
Emmerich: Thomas Virnich - "Vogelhäuschen"
Xanten: C. Wilmsen-Wigmann - Steinreihung Via Regis - Goslar-Xanten/Nowgorod-Brügge
Wesel: Heinrich Brummack „Tor der Hoffnung: Salve“
Weeze: Peter Könitz - "Für Rheingold"
Moers: Petra Ellert - Elsa von Brabant
Krefeld: Victoria Bell - "Maske"

Der Kölner Künstler Heinrich Brummack errichtet seine Skulptur an der historischen Stätte eines Stadttores der ehemaligen preußischen Garnisonsstadt Wesel. Diesem Denkmal der Macht setzt Brummack einen künstlerischen Entwurf entgegen, der die Zeichen der Macht ironisch umkehrt. Wie auf den Sockel gehoben thront die Figur einer Heuschrecke auf einem goldenen Ast. Dieses eigentlich ohnmächtige Insekt gilt hier als bedenkenswürdiges Geschöpf von brüchiger Existenz, das dem Künstler als erinnerungswürdiger erscheint als die verblichene staatliche Autorität.

Text aus: Niederrheinischer Kunstverein 1981-2006

Bild: Heinrich Brummack „Tor der Hoffnung: Salve“

1990

Das Projekt "Unter der Erde" - Ergebnisse eines Symposiums 750 Jahre Wesel

Der Beitrag des Niederrheinischen Kunstvereins zum Stadtjubiläum – 750 Jahre Gründung der Stadt Wesel – war ein Künstlersymposion „Unter der Erde“, mit den 8 Künstlern Victoria Bell, Johannes Brus, Georg Dietzler, Edgar Gutbub, Heinz Kleine-Klopries, Gisela Kleinlein, Inge Mahn und Klaus Simon. Durch die Zerstörung Wesels im 2.Weltkrieg – über 90 % der Bausubstanz des alten Wesel lag in Trümmern – war Entscheidendes aus der Geschichte nicht mehr sichtbar, sondern unter der Erde verborgen. So z.B. die Grundmauern des historischen Rathauses, die einer modernen Tiefgarage weichen mussten bzw. überbaut wurden. In dem einwöchigen Symposion wurden wichtige versteckte historische Orte aufgesucht und durch sachkundige Führer erläutert, u.a. die Stadtarchivarin Dr. Jutta Prieur-Pohl und Andreas Hemstege: z.B. der jüdische Friedhof, die Zitadelle, die Krypta unter den Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, die alten Gemäuer unter der Friedenskirche zu den Heiligen Engeln und die Ausgrabungen unter dem Willibrordi-Dom. Das Ergebnis waren ein halbes Jahr später 8 Objektentwürfe für den öffentlichen Raum in Wesel fest, die einer von einem Katalog begleiteten Ausstellung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Mit Hilfe der Stadt Wesel, dem Land NRW bzw. der NRW-Stiftung, dem Kunstfond und der katholischen Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt gelang es, insgesamt 5 der 8 Entwürfe zu realisieren, wobei sich vor allem an den beiden über der Erde realisierten Objekte „Vesalia Hospitalis“ von der amerikanischen Künstlerin Victoria Bell und an der Skulptur aus Edelstahl von Edgar Gutbub die Kritik entzündete, die z.T. bis in unsere Tage fortdauert. Da half auch eine öffentliche Expertenrunde mit den Professoren Schneckenburger und Deecke sowie Hans van der Grinten wenig. So steht auch die Skulptur von Edgar Gutbub immer noch lediglich an einem provisorischen Standort, und nicht, wie vom Künstler geplant, im großen Torbogen der Zitadelle. Und die beiden Entwürfe von Inge Mahn und Gisela Kleinlein, die ein Gegenbild zu dem kriegerischen Preußen entwarfen, harren noch der Verwirklichung. Auf dem Platz vor dem Preußen-Museum wären die umgekehrt in den Boden gesteckten Kanonenrohre (Entwurf von Inge Mahn) eine unübersehbare Mahnung für den Frieden und der spielerische Umgang mit Kanonenkugeln (Entwurf von Gisela Kleinlein) auch eine faszinierende Alternative zur Geschichte mit ihren fatalen Folgen.

1990 - Unter der Erde
Victoria Bell
Johannes Brus
Georg Dietzler
Edgar Gutbub
Gisela Kleinlein
Heinz Kleine-Klopries
Inge Mahn
Klaus Simon

Text aus: Niederrheinischer Kunstverein 1981-2006

Die bisherigen mehrtägigen Kunstreisen führten uns:

  • 1987 - Dokumenta Kassel
  • 1992 - Schweiz
  • 1993 - Tübingen - Schleswig Holstein - Schweiz
  • 1995 - Den Haag - Dresden/Prag
  • 1996 - Tübingen - von Ratzeburg bis Rügen - Kopenhagen
  • 1997 - Berlin - Wien/Budapest - Lübeck
  • 1998 - Stockholm - Elsass
  • 1999 - CotedÀzur - Barcelona und Bilbao - Indien und Nepal
  • 2000 - Weimar - Marokko - Leipzig - London
  • 2001 - Prag - Madrid - Emden - Florenz und Rom
  • 2002 - Brügge - Normandie - Bodensee - Berlin - Republik Südafrika - Bremen
  • 2003 - Prag - Wien - Venedig - New York
  • 2004 - Lille - Berlin - St. Petersburg - Genua
  • 2005 - Leipzig - Andalusien - USA - Baden-Baden - Basel/Bern/Stuttgart
  • 2006 - Dresden - Mailand - Berlin
  • 2007 - Moma Berlin - Tunesien
  • 2008 - München - Sizilien
  • 2009 - Straßburg - Syrien (ausgefallen)- Brüssel
  • 2010 - Ulm - Istanbul
  • 2011 - Regensburg - Tallinn - Berlin
  • 2012 - Augsburg - Portugal - Lübeck

Weitere Ausstellungs-Standorte und Kooperationen

Willibrordi-Dom

Großer Markt, 46483 Wesel
Tel. 0281 - 28905

www.kirche-wesel.de

www.dombauverein-wesel.de

Öffnungszeiten:
Ostern bis 31. Oktober:
Dienstag – Sonntag 14:30 - 17:00 Uhr
Mittwoch + Samstag 10:00 - 12:00 Uhr
November bis Ostern:
Dienstag - Freitag 14:30 - 17:00 Uhr
Mittwoch + Samstag 10:00 - 12:00 Uhr

Foto: Dießenbacher Informationsmedien

Das Licht fällt auf die Menschen – Gedanken zu einer Riss-Skulptur im Willibrordi-Dom Wesel

01. Juni bis 11. Juli 2008

Kreitner

Die Kombination einer transparenten Lichtskulptur mit einer Riss-Skulptur aus Papier von Petra Ellert war im Rahmen der Ausstellung „Der Weg des Lichtes“ des Niederrheinischen Kunstvereins im Willibrordi-Dom Wesel zu sehen.

Das Papier der Riss-Skulptur mit seiner weißen, fast jungfräulich wirkenden Leichtigkeit bildet einen Gegensatz zu der anthrazitfarbenen Schwere des Bodens.

Papiere und Formen überlagern sich, bilden eine kreisförmige Bodenskulptur, bei der die räumliche Überlagerung im äußeren Bereich besonders auffällt. Die Risskanten bilden sogar wiederum einen eigenen Raum.

Die Überlagerung an den Risskanten kann rein zufällig durch eine Luftbewegung, z. B. einen kleinen Windstoß durch die geöffnete Kirchentür hervorgerufen werden. So können neue, kleine variable Räume entstehen.

Hier zeigt sich, dass Papier für Petra Ellert nicht einfach Material zum Beschreiben und zum Bedrucken, also Träger von Information ist, sondern ein Stoff, in den träumerische Illusionen, leise Wünsche, stille Zärtlichkeit hineingedacht werden können. Mit der Stille des Kirchenraumes kommen meditatives Verweilen und Kontemplation hinzu. Verspielte Gedanken, flatterhaft wie das Papier, werden freigesetzt, lassen die „Leichtigkeit des Seins“ erahnen, lassen Zeit und Raum vergessen.

Mit Petra Ellerts fragiler Papierskulptur entfaltet sich ein Raum im Raum, der Zeit, Raum und Gedanken miteinander verschmelzen lässt.

Die gerissenen Formen aus Papier können als Kreis von menschlichen Figuren gedeutet werden, die hier eine Gemeinschaft bilden. Auf die fällt das Licht fällt, und wir werden an den Text des Johannes-Evangeliums (8, 12) erinnert, die wir als Worte Jesu kennen:

„Ich bin das Licht, ich bin der Glanz der Welt. Ich mache sie leuchten, und wer mir folgt, wird nie mehr in der Dunkelheit sein, weil er das Licht des Lebens hat.“ (in der Übersetzung von Walter Jens)

Von Zeit zu Zeit fällt ein roter Schatten, der beim Durchdringen der roten Farbkomposition auf transparenter Folie entsteht, auf das weiße Papier. Es ist ein zarter Schatten ohne dramatische Lichteffekte. Bei jeder Veränderung der Stärke des Lichts verändert sich auch dieser rote Schatten und wird heller oder dunkler und kann sogar heller sein als seine Umgebung und damit leuchten. So entsteht zeitweise zusätzlich zur Boden-Raum-Skulptur ein eigener Farbraum.

In ihrer Komposition stellt sich die rote Lichtskulptur als chaotisch und energiegeladen vor. Sie strahlt Wärme aus, die selbst das kalte Weiß des Papieres für ein paar Momente wärmer erscheinen lässt.

Jörg Happel, 2008

Neue Raumerfahrungen im Willibrordi-Dom mit „Fenestra“ von Norvin Leineweber

Kreitner

Fenestra, 2009 Holz, Marmorputz 240 cm x 240 cm, Foto: Jörg Happel

In Anlehnung an Flügelaltäre, die einst auch den Willibrordi-Dom zierten, schuf Norwin Leineweber ein speziell für diesen sakralen Ort angefertigtes Relief mit dem Titel “Fenestra“, das mit seinem minimalistischen Charakter eine Verbindung zum „Weseler Altar“ von Ben Willikens aufnimmt, da es ebenso neue Wahrnehmungen des Endlichen und des Unendlichen zulässt.

Man kann den neugotischen Sakralbau Willibrordi-Dom in Wesel unter verschiedenen Aspekten betrachten:

Man kann ihn als einen Raum ansehen, in dem Menschen in eine Beziehung zur göttlichen Dimension, zur unendlichen Transzendenz Gottes treten können, die Raum und Zeit übersteigt und den Menschen über seine eigenen Grenzen hinaus mit dem Bereich des Jenseits in Berührung bringt.

Man kann ihn als einen Raum ansehen, in dem der Geist Gottes anwesend ist, der eine Begegnung mit dem Heiligen, mit Gott möglich macht.

Man kann ihn als einen Raum des Wandels ansehen, in dem neue persönliche Erfahrungen gemacht werden können und in dem neue Deutungen von Wirklichkeit möglich werden.

Für viele ist er ein Raum, in dem auch dem menschlichen Bedürfnis nach Ordnung und Geborgenheit Rechnung getragen wird und in dem der Mensch Antwort auf die Frage erwartet, was dem Leben Sinn, Richtung und Ziel verleiht.

Sakrale Architektur als „gebauter Sinn" braucht auf der einen Seite Ordnung, die das Beständige, das Unveränderliche symbolisiert. Auf der anderen Seite soll sie auch Richtung aufzeigen, die mit Unterwegssein in der Zeit und dem Aufbruch zu neuen Zielen in Verbindung gebracht werden kann.

Hier ergibt sich eine Schnittstelle zur modernen Kunst, die seit einiger Zeit den gotischen Gottes-Raum Willibrordi-Dom mit anderen Sichtweisen konfrontiert.

Parallel zur Ausstellung „Die Läden des Louis Albert Necker" des Niederrheinischen Kunstvereins in der Galerie im Centrum wurde von Ende August bis Ende Oktober 2009 in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel das Relief „Fenestra" des Aachener Künstlers Norvin Leineweber so an der vorderen rechten Vierungssäule des Domes angebracht, dass es der Gemeinde zugewandt war.

Folgt man dem Satz von Paul Klee „Kunst gibt nicht Sichtbares wieder, sondern macht sichtbar", so gilt dies vor altem für dieses Kunstwerk im sakralen Raum Norvin Leineweber versucht in die Beschäftigung m it der Wahrnehmung und Darstellung von Raum das Wesen des Raums - neu - zu ergründen. Dabei wer den einerseits Sehgewohnheiten durchbrochen, andererseits der Blick für das, was schon immer sichtbar war, neu geschärft.

Der Künstler sieht Raum als einen Beziehungsraum an. Für ihn ist Raum 'gewissermaßen die Form der Beziehung von Ich und Welt und von Hier und Jetzt auf ein Unendliches'.

Mit der Anmutung an die alte Form des Flügelaltars, verbunden mit der Möglichkeit mit dem endlichen und unendlichen Raum zu kommunizieren, wurde hier neben dem „Weseler Altar“ von Ben Willekens ein weiterer Versuch gewagt den Flügelaltar als Bildform neu zu deuten, aber auch die Frage nach seinen liturgischen Möglichkeiten neu zu stellen.

Durch die temporäre Ausstellung des Reliefs „Fenestra" konnte man einen Teil des Willibrordi-Domes anders sehen und erleben: als Raum Gottes, der unendlich und endlich, unnahbar und nah, unbekannt und bekannt ist - wie Gott selbst.

Jörg Happel, Kurator, 2009

Die Plastik "Die bessere Hälfte" von Angelika Summa im sakralen Raum

Kreitner

Parallel zur Ausstellung „HartWare“ mit Werken von Angelika Summa im Städtischen Museum Wesel war vom 9. September bis zum 23. Oktober 2011 in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel im Willibrordi-Dom in direkter Korrespondenz zum „Weseler Altar“ von Ben Willikens die Großplastik „Die bessere Hälfte“ aufgestellt.

Was Künstlerinnen in ihren Arbeiten weglassen oder nicht zeigen, was wie Fragment aussieht, macht uns eher unsicher, vielleicht sogar ängstlich, weil wir gedanklich etwas mit Bedeutung füllen oder etwas vollenden sollen, aber ggf. nicht in der Lage sind, den offenen Raum – den Freiraum – zu nutzen. Gedanklich und gefühlsmäßig könnte eine Leere entstehen, mit der man nicht zurecht kommt, weil nichts nachkommt.

Viele Menschen kompensieren einen Zustand der inneren Leere mit Betriebsamkeit oder anderen Formen der Ablenkung. Um dann wiederum in einen Zustand der Langeweile zu versinken.

Dabei könnte ein Denken der Leere neue gedankliche und gefühlmäßige Dimensionen eröffnen.

Bei der Plastik "Die bessere Hälfte", die die nicht vollendete Form einer halben Kugelschale hat, hat man auch den Eindruck, dass etwas fehlt oder fehlen könnte.

Fragen tauchen auf: Kann die eine Hälfte überhaupt ohne die andere existieren? Zumal noch als bessere Hälfte !? Braucht man die sichtbare Hälfte zur Orientierung um das nicht Sichtbare entwickeln zu können?

Auch wenn das Kunstwerk unvollendet wirkt, hat das Vorhandene Struktur, ist Basis für Weiterentwicklung, enthält die Option für Ziele, Wünsche, Träume. Die Skulptur lädt zum Nachdenken und zur Meditation ein, lässt uns in der geistigen Ruhe aktiv werden.

Auch Architekten, Ingenieure und andere Künstlerinnen und Künstler haben sich ans Werk gemacht, um offene, transparente, fast unsichtbare oder "leere" Räume zu erfinden und zu bauen. Ausgeräumt bis aufs Nötigste.

Diesen Eindruck kann man auch bei der Betrachtung des "Weseler Altars" von Ben Willikens haben, in dessen Nähe die Bildhauerin Angelika Summa bewusst ihre Plastik "Die bessere Hälfte" gestellt hat.

Wie Diethelm Röhnisch ausgeführt hat, stellt der "Weseler Altar" "einen 'säkularen' Altar dar, da er die übliche theologische Frage bewusst offen lässt bzw. verändert. An die Stelle, an der traditionellerweise in der christlichen Ikonografie die Gestalt Christi oder das Kreuz erscheint, steht bei ihm ein 'leerer' Raum."

Dieser soll durch Fantasie und meditative Kraft des Betrachtenden ausgefüllt werden. Darin sehe ich eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Werken.

Es gibt aber auch noch eine andere, die ästhetische Möglichkeit: der Betrachter der besseren Hälfte akzeptiert die Skulptur einfach in ihrer unvollendeten Form.

Jörg Happel, Kurator, 2011

Pfarrgemeinde St. Clemens

Dorfstraße 19, 47546 Kalkar Wissel
Tel. Pfarrbüro: 02824 - 6587

www.stclemens-wissel.de

Öffnungszeiten:
Montag, Freitag 09:00–11:00
Mittwoch 15:00–17:00

Foto: Wikipedia

Moderne Kunst in alter Kirche

Kreitner

Der Düsseldorfer Künstler Thomas Kohl zeigt in der St.-Clemens-Kirche Wissel zwei religiös-motivierte Werke. Vorbild für die Auferstehungsbilder war ein Teil von Matthias Grünewalds Isenheimer Altar.

KALKAR-WISSEL Das Zusammenspiel von Kunst und Kirche passt - zumindest prinzipiell. Seit Jahrhunderten gehen sie Hand in Hand. Aber passt auch neue Kunst in alte Kirchen? Darüber gibt es geteilte Ansichten. In der St. Clemens-Kirche in Wissel laden bis in die Woche nach Ostern zwei mit mineralischen Farben bemalte Glasscheiben ein, sich selbst ein Bild davon zu machen. Dies ist bereits das dritte Kunstprojekt, das seit der Wiedereröffnung der Kirche dort ausgestellt wird.

Thema Auferstehung

Die in Rot-, Braun- und Blautönen gehaltenen Kunstwerke scheinen auf den ersten Blick keinen sakralen Bezug zu haben. Auf den zweiten Blick hingegen vermag der Betrachter durchaus eine Verbindung zwischen dem romanischen Kirchenbau mit dem gotischen Chor und den in der Vierung installierten Kunstwerken von Thomas Kohl entdecken. Denn die beiden Werke des Düsseldorfer Künstlers, der bis Sonntag auch noch eine Ausstellung im Kalkarer Museum hatte, sind zwei von dreimal zwei Bildern, die er zum Thema Auferstehung gefertigt hat.

Pate stand für diesen Teil des Werkes der untere Rand der Auferstehungsszene aus dem zu Beginn des 16. Jahrhunderts gefertigten Isenheimer Altar des Malers Matthias Grünewald. Alles Gegenständliche hat Kohl aus seinen Bildern verbannt. Der „Auferstandene" schwebt außerhalb der Betrachtungsebene. Das leere Grab lässt sich in seinen Konturen an unterschiedlichen Stellen innerhalb beider Teile der Szene ansiedeln.

Kreitner

Wie die Glasbilder auf den Betrachter wirken, wird dabei in starkem Maße vom Licht beeinflusst. Während sie im leichten Schein der Leuchtstoffröhren fast ein wenig grell leuchten, offenbaren sie im natürlichen Tageslicht sehr viel mehr Wärme und andere Konturen. Die unterschiedlichen Effekte kann der Besucher dabei gerne selbst ausprobieren und einfach mal die künstliche Beleuchtung aus der Steckdose ziehen.

„Bilder können immer auf zwei Arten wirken, entweder sprechen sie die Menschen an oder nicht", ist Pfarrer Bartholomäus Kalscheur, der bei der Installation der Kunstwerke selbst mit angepackt hat, überzeugt. Auf jeden Fall seien sie, so oft man an ihnen vorbei laufe, eine Einladung. Für die Dauer der Ausstellung sind vier Stationen des Kreuzwegs innerhalb der Kirche umgehängt worden. Aber das Auferstehungsmotiv passt genau an diese Stelle, fügt sich nahtlos in den Kontext der 14 Stationen des Kreuzwegs ein, der traditionell bei der Grablegung und damit vor der Auferstehung endet.

Ob die modernen Bilder in den alten Kirchenbau passen, muss letztlich jeder Besucher selbst für sich entscheiden, aber Jörg Happel vom Niederrheinischen Kunstverein hält sie für eine Bereicherung: „Die Veränderung innerhalb der Kirche schafft durch die Durchbrechung der Gewohnheit ein neues Bewusstsein, um den Raum wahrzunehmen."

VON GUIDO SCHWARTGES

Betrachtungen zur Ausstellung "Gesammelte Welten"

Sonntag, 22. Mai bis Sonntag, 19. Juni 2011

Kreitner

Der Moerser Künstler André Schweers stellt in der Stiftskirche St. Clemens in Wissel unter dem Titel "Gesammelte Welten" Werkgruppen aus, die bei seiner Ausstellung „landeinwärts“ im Städtischen Museum Kalkar nicht gezeigt wurden.

André Schweers sieht sich als Bildhauer, der nicht die traditionellen Materialien wie Stein, Metall und Holz benutzt, sondern eine Papiermasse, die ihm mit ihren Materialeigenschaften die Möglichkeiten gibt, abstrahierend Aspekte des Archivierens und Konservierens darzustellen.

Sie sehen 7 stark pigmentierte Papierguss-Arbeiten aus der "Bibliotheca conservata", die Arbeit "Prolog" aus der Serie der "Folianten" und die weiße Objektarbeit "Geordnete Welten".

Die Papierblöcke der "Bibliotheca conservata" lassen mit ihren senkrechten Reliefs an Schriften denken, ohne wirkliche Bücher zu sein.

Ihre Farbintensität, die von einem hellen Orange bis zu einem dunklen Rubinrot reicht, erinnert an Inkunabeln oder an handgeschriebene kostbare Bücher, die Speicher von Kultur, Religion und Wissen sind.

Die streng serielle Hängung wird durch die unterschiedliche Farbigkeit der Werke teilweise wieder aufgehoben, da Farben, die Aktivität, Dynamik und Energie ausdrücken, mit kühleren und erdigen kombiniert sind. Es entstehen Farbklänge, die harmonisch wirken, obwohl Farbkontraste zu sehen sind. Helle und dunkle, kalte und warme, Gegenfarben (z.B. Rot / Grün) wechseln sich ab. Auch die unterschiedlichen Oberflächenstrukturen – belebt, reliefartig, glatt, offen, geschlossen – lassen dem Spiel von Licht und Schatten vielfältige Möglichkeiten.

Kreitner

Der Betrachter kann die Werke frontal auf sich wirken lassen; mit dem der Blick von der Seite eröffnen sich aber andere Farb- und Helligkeitswirkungen. Und er wird auch nahe herangehen, um tiefer und im Detail schauen zu können.

Die stark pigmentierten Arbeiten erzeugen eine Energiestrahlung, die von unserem Körper wahrgenommen wird; sie wirken auch auf unsere Seele, da sie eine Verbindung der rational geordneten Welt zum transzendenten Jenseitigen herstellen können.

Die Hängung von 7 Werken ist bewusst gewählt. Es gibt vielfältige Deutungsmöglichkeiten: Im frühen Christentum symbolisierte die „Sieben“ die Einheit von Göttlichem und Irdischem, da sie die „Drei“ der Dreieinigkeit und die „Vier“ der irdischen Himmelsrichtungen in sich vereinigte. Gleichzeitig stand die Zahl Sieben für die sieben Gaben des Heiligen Geistes, während der Leuchter für Christus selbst stand. In der Zahlsymbolik steht die Sieben auch für Vollständigkeit und Totalität. (In sechs symbolischen Tagen schuf Gott die materielle Welt und ruhte am siebenten Tag.) Die Sieben ist auch die Zahl des Kosmos und zwar in Zusammenfügung der Drei (geistiges Prinzip) und der Vier (Weltprinzip). Die Drei steht für Dynamik, die Vier für Raumordnung und Statik. Eine weitere Deutungsmöglichkeit: Die sieben Farben des Regenbogens symbolisieren verschiedene Bewusstseinsstufen.

Dieser Aspekt lässt sich auch auf die Anordnung der Werke "Prolog" und "Geordnete Welten" anwenden, bei der die pulsierende Farbigkeit im Gegensatz zur Kühle und Distanz durch eine in Blockform gebrachte Addition von kleinen weißen Schachteln steht. Hinzu kommt der Gegensatz von Buntheit und unbuntem weißem Bildraum.

Die eine große weiße Schachtel und die additive Ordnung von kleinen Schachteln folgen dem Prinzip von "Offen und Geschlossen" und thematisieren gleichzeitig den Aspekt von "Sammeln und Bewahren".

Die weiße Objektarbeit lässt allerdings für den Betrachter offen, welche "Welten" geordnet werden.

Der Betrachter kann sich geistig etwas vorstellen, das nicht zu seiner aktuellen Wahrnehmung gehört, er kann sich in eine mentale Welt versetzen lassen, in der er Vorstellungsbilder entwickelt, Gedanken treiben lässt, Phantasien nachgeht, aber auch Handlungsabläufen folgt. Er kann über das Gesehene, das Gedachte mit anderen kommunizieren und sich öffnen. Aber die meditative Wirkung der Werke kann auch zu einem Sich-Verschließen, zu innerer Einkehr, Ruhe und Stille führen.

Von Jörg Happel, 2011

Schloss-Ringenberg, Derik-Baegert-Gesellschaft e.V.

Schlossstraße 8, 46499 Hamminkeln
Tel. 02852 - 9229

www.schloss-ringenberg.de

Foto: Wikipedia, Von Mettwurst49 - Author's own work, edited by Sir Gawain, CC-BY-SA 4.0